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Kredit auf Patente

Innovation in der Unternehmensfinanzierung

Hamburg | 7.11.2003 | Hol | 4.512 Zeichen

Mittelständische Unternehmen können ihre Patente künftig als Kreditsicherheit einsetzen. Verglichen mit Finanzierungen, die in herkömmlicher Weise durch materielle Wirtschaftsgüter wie Maschinen oder Immobilien besichert sind, winken dafür in der Regel günstigere Konditionen. Vorreiter für diese neue Form der Unternehmensfinanzierung ist die IP-Bewertungs AG (IPB AG) mit Sitz in Hamburg, die hierfür mit einer grossen norddeutschen Bank zusammenarbeitet. Karsten Müller, Vorstand der IPB AG, stellte den „Patentkredit“ jetzt (7.11.2003) auf dem Innovationsberatertag des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK in Koblenz erstmals der Öffentlichkeit vor.

Bislang konnte „geistiges“ Vermögen allenfalls in Einzelfällen von Banken im Kreditprozess berücksichtigt werden. Der IP-Bewertungs AG ist es gelungen, Kredite erstmals systematisch durch Patente zu besichern. Das Verfahren lässt sich von allen Geschäftsbanken und Sparkassen anwenden. Die Patentkredite sind durch die Banken mit Hilfe der IPB AG über den Kapitalmarkt refinanzierbar. Das Ergebnis ist eine neue Form der Unternehmensfinanzierung, die das Eigenkapital der Banken schont und dem Mittelstand trotz „Basel II“ die Tür zu den Kreditinstituten wieder öffnet.

„Wir haben mit dem neuen Patentkredit ein Problem gelöst, das zu einem gefährlichen Engpass für den wirtschaftlichen Innovationsprozess geworden ist,“ betonte Karsten Müller: „In vielen Unternehmen, insbesondere im Mittelstand, übersteigen nämlich die immateriellen Werte inzwischen das gegenständliche Vermögen. Trotzdem konnte geistiges Eigentum bislang weder adäquat bilanziert noch für die Unternehmensfinanzierung genutzt werden. Ab jetzt ist dies anders!“. Das Angebot richtet sich an etablierte mittelständische Unternehmen. Als Richtgrösse kann ein Kreditbedarf ab EUR 1 Million und ein Jahresumsatz von mindestens EUR 50 Millionen dienen. Sofern dort wenigsten zehn erteilte aktive Patente mit einer Restlaufzeit von vier Jahren bestehen, lohnt sich das Gespräch mit der IPB AG. Sie wird der Hausbank aufzeigen, wie sich bestehende Kredite durch günstigere Konditionen ablösen oder Kreditlinien erhöhen lassen. „Wir starten die ersten Patentkredite in Kürze mit einer grossen norddeutschen Bank,“ berichtete Karsten Müller, „sind aber für die Kooperation mit weiteren Anbietern offen. In der Firmenkundschaft einer mittelgrossen Bank schlummern Milliardenwerte, die für die Unternehmensfinanzierung bislang nicht zum Einsatz kommen. Jedes Patent taugt jedoch nur einmal als Sicherheit.“

Für den Kunden einfach und klar

Wichtig für den Unternehmer: auch wenn seine Patente als Sicherheit verwendet werden, bleibt er Patentinhaber. Für ihn ändert sich nichts an den Nutzungs- und Ertragsmöglichkeiten seiner Erfindungen. Die Einträge in den Patentrollen bleiben unverändert, so dass er gegen Schutzrechts-verletzungen von Wettbewerbern weiterhin vorgehen kann. Ebenso klar und einfach ist die Abwicklung: für den Unternehmer entsteht weder finanzieller noch organisatorischer Zusatzaufwand.

Ergebnis zweijähriger Entwicklungsarbeit

Alle für den Kredit erforderlichen Informationen besorgt sich die Bank mit Hilfe der IPB aus den öffentlichen Patentregistern. Daraus erarbeit die IPB eine Bewertung der Patente und einen Beleihungswert. „Ausgangspunkt dafür waren unsere Erfahrungen bei der Aktienbewertung von rein auf die Forschung spezialisierten Firmen. Diese Einsichten haben wir auf die Patentbewertung und die Finanzierungsbedürfnisse der Unternehmen übertragen,“ erläuterte Müller. Dennoch, so Müller, waren volle zwei Jahre Forschungs- und Entwicklungsarbeit unter Mithilfe renommierter Hochschulprofessoren erforderlich, um von der mühsamen Einzelpatent-Bewertung in Handarbeit zur computerunterstützten Wertermittlung grosser Patentbestände zu gelangen.

„Im Prinzip ähnelt unserer Vorgehen der Entstehung von Hypothekendarlehen im 19. Jahrhundert,“ veranschaulicht Müller, „anfangs waren Grundstücke und Immobilien ebenfalls nur schwer in ihrem Wert zu bestimmen, bis Kaufpreissammlungen und technische Expertisen schliesslich zu systematischen Wertansätzen führten“. Wie stets, wenn es um die Beherrschung von Risiken gehe, komme es für die Banken auf einen ausgewogenen Risikomix an. „Schon ab 15 bis 20 Firmenkunden mit zehn und mehr Patenten wird diese Mischung erreicht,“ so Müller. Das daraus entstehende Risiko/Chancen-Profil sei attraktiver als im klassischen Kreditgeschäft.

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